Pulled Pork vom Gasgrille

Perfektes Pulled Pork vom Gasgrill

Einige werden sich fragen, ob ich mich seit März nur von Bacon Jam ernährt habe? Auch wenn das angesichts des sensationellen Geschmacks vorstellbar wäre, ist dem nicht so. Ich habe zwischendurch auch mal Pulled Pork gegessen. Pulled Pork gehört, neben Beef Brisket und Rippchen, zur heiligen Dreifaltigkeit des BBQ und stand daher schon lange auf meiner Liste. An einem langen Wochenende im Mai habe ich allen Mut zusammen genommen und meinen ersten Pulled Pork vom Gasgrill Versuch gestartet. Meine Erfahrungen möchte ich gerne mit Euch teilen.

Graue Theorie – Wie bereitet man das Perfekte Pulled Pork zu?

Ich glaube dem geneigten BBQ-Fan brauche ich nicht erklären, was ein Pulled Pork ist. Aber die Frage, wie man es eigentlich zubereitet habe ich mir selbst natürlich stellen müssen. Es gehört sicherlich zu einem der aufwändigeren BBQ-Gerichte, daher habe ich mich im Vorfeld mit unterschiedlichen Zubereitungsmehtoden beschäftigt. Das Grundprinzip ist klar. Low and Slow wird es zubereitet. Also bei niedriger Temperatur (ca. 110°C) langsam garen, bis eine Kerntemperatur von 92°C erreicht ist. Durch das langsame Garen wird das Fleisch sehr zart und lässt sich dann ganz einfach zerrupfen (pullen).

Als Grillgerät steht mir mein Weber Spirit E-210 Gasgrill zur Verfügung. Für den echten BBQ-Geschmack möchte ich aber auch etwas Rauch an das Fleisch geben. Dazu wäre ein Smoker oder ein großer Kugelgrill ideal gewesen. Da ich beides nicht habe, will ich dennoch versuchen mit Räucherpäckchen auf dem Gasgrill zu arbeiten. Das ist, wie sich später noch herausstellen wird, mit dem E210 gar nicht so einfach.

Pulled Pork moppen oder injzieren?

Dann stand noch die Frage im Raum, ob ich mein Pulled Pork injizieren oder moppen will (oder beides). Bei der ersten Variante wird eine Marinade in das Fleisch gespritzt, was natürlich noch zusätzlichen Geschmack in das Fleisch bringt und auch vor dem Austrocknen schützt. Beim Moppen wird die Mariande regelmäßig von außen auf das Fleisch gepinselt. Bei dieser Variante soll vor allem die Kruste schmackhafter werden. Wie bei allem ist das auch so ein bisschen eine Glaubensfrage. Ich bin davon überzeugt, mit beiden Varianten super leckeres Pulled Pork machen zu können. Ich habe mich dann für die Variante mit Injektion entschieden, in der Hoffnung so ein besonders saftiges Ergebnis zu erzielen.

Das Perfekte Pulled Pork Rezept

Ich habe mir unzählige Youtube Videos und Blog Artikel zur Zubereitung des perfekten Pulled Pork rein gezogen und habe mich am Ende für eine Mischung aus den Rezepten von BBQ Pit und den Sizzlebrothers entschieden. Rezepte gibt es wie Sand am Meer. Aber em Ende sind alle ähnlich und man sollte einfach schauen, welche Gegebenheiten (z.B. Grillgerät) man hat und dann überlegen, welche Variante am besten zu einem passt.

Was braucht man für Pulled Pork vom Gasgrill?

Folgende Zutaten habe ich verwendet:

  • einen ganzen Schweinenacken (ca.  2,8 KG)
  • natürtrüben Apfelsaft
  • Dirty Harry BBQ Sauce
  • Pull That Piggy BBQ Rub von Ankerkraut
  • Räucherchips

Neben den Zutaten braucht man noch einige Utensilien, die einen das Leben deutlich erleichtern. Da die Zubereitungszeit auf dem Grill sehr lang ist, sollte man auf jeden Fall mit einer gut gefüllten Gasflasche an den Start gehen. Ich bin auf Nummer Sicher gegangen und habe eine frische 5KG Flasche angeschlossen. Zum Injizieren braucht man eine Marinadenspritze. Es empfiehlt sich eine Auflaufform mit Gitter (z.B. Konics von IKEA). Zum Überwachen der Kerntemperatur des Fleisches braucht man außerdem ein Fleischthermometer. Für die Garraumtemperatur habe ich ein zweites Thermometer eingesetzt. Mein Grill besitzt zwar ein Deckelthermometer (welches sich als sehr genau herausgestellt hat), aber ich wollte auch hier auf Nummer Sicher gehen. Weiterhin braucht man Frischhaltefolie, Platz im Kühlschrank und eine Möglichkeit das Pulled Pork möglichst lange warm zu halten, wenn es vom Grill kommt. Dazu habe ich (wie von den Sizzlebrothers empfohlen) eine Kühlbox und PET-Falschen mit heißen Wasser verwendet.

Hardwareseitig ist man damit gut gerüstet. Wenn man jetzt noch ein entspanntes Wochenende Zeit hat, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

Pulled Pork vorbereiten – Injizieren

Mit der Vorbereitung habe ich gut einen Tag vor dem Auflegen auf den Grill begonnen. Als erstes habe ich die Marinade zum Injizieren vorbereitet. Dazu habe ich etwa 2 Tassen Apfelsaft mit 1-2 EL BBQ-Sauce und einem EL Pull That Piggy Rub vermischt. Die Mischung habe ich dann mit der Marinadenspritze gleichmäßig in den Schweinenacken gespritzt. Anschließend habe ich den Nacken runherum gerubbed. Dabei braucht man nicht sparsam sein, getreu dem Motto „viel hilft viel“ habe ich so viel Rub aufgebracht, wie haften blieb. Das Ganze habe ich dann ordentlich in Frischhaltefolie eingepackt und für 24 Stunden in den Kühlschrank gepackt.

Den Gasgrill vorbereiten

Wie Eingangs erwähnt, habe ich eine frische Gasflasche angeschlossen. Dann muss man ein wenig rechnen. Zwischen 12 und 24 Stunden kann das Pulled Pork brauchen. Also kurz überschlagen wann man ca. essen möchte und dann rechtzeitig den Grill vorheizen und einregeln. Es wird immer empfohlen sich zum einregeln Zeit zu lassen. Ich habe also eine Stunde vor dem Auflegen den E210 angeschmissen und eine Temperatur von 110°C eingeregelt. Wie empfohlen habe ich immer 10-15 Minuten auf einer Einstellung gewartet und dann erst nachgeregelt. Wie ich aber feststellen musste, ist die Einstellung mit und ohne Gargut bei meinem Grill sehr unterschiedlich. Musste ich beim leeren Grill für 110°C den Deckel einen Spalt öffnen (ein Brenner auf Minimalstellung), musste ich mit dem Pulled Pork an Board den Deckel schließen und musste sogar das Gas etwas hoch regeln um die Temperatur zu erreichen.

Beim ersten mal kann man sich die Zeit ruhig nehmen. Aber wenn man die Einstellung für seinen Grill einmal kennt, spricht meiner Meinung nach nicht gegen kurzes Aufheizen und das genaue Einregeln dann mit dem Gargut zu machen. Wichtig ist noch, dass man eine indirekte Zone schafft. Bei mir also linker Brenner an, rechter aus.

Da ich auch räuchern wollte, habe ich noch Päckchen mit gewässerten Holzchips vorbereitet.

Pulled Pork auf dem Gasgrill zubereiten

Der Moment des Auflegens ist gekommen. Der Schweinnacken kommt nun auf den Rost in der Konics-Form und wird in die indirekte Zone des Grills platziert. Die Räucherpäckchen lege ich direkt auf den linken Brenner. Dann noch alles mit den Temperaturfühlern verkabeln. Da ich nur ein Funk-Thermometer besitze und ich vor allem Nachts nicht aufstehen möchte um einen kurzen Blick auf die Temperatur zu werfen, habe ich dieses zur Überwachung der Garraumtemperatur direkt neben den Nacken platziert. Für die Kerntemperaturmessung habe ich das Kabelgebundene verwendet. Die Kerntemperatur steigt, vor allem am Ende der Garzeit, nur sehr langsam an. Daher reicht dieses Setup vollkommen aus. Hier braucht man nur alle paar Stunden mal drauf schauen.

Gut überwacht durch die Nacht

Wenn soweit alles eingerichtet ist, heißt es Deckel schließen und warten. Bei der Variante ohne moppen gibt es keinen Grund den Deckel zwischendurch zu öffnen. Einmal eingeregelt hat der kleine Weber Spriit E-210 die Temperatur nahezu perfekt bei 110°C gehalten. In der Nacht gab es ein paar Winböen, wodurch es Schankungen zwischen 105°C und 115°C gab. Alles im Rahmen und so konnte ich ruhig schlafen. Sollte mir die Temperatur nach oben ausbüchsen, habe ich den Alarm am Thermometer auf 125°C eingestellt, so dass ich geweckt worden wäre. Am nächsten Tag schien die Sonne ordentlich auf meine Terasse und ich habe die Gaszufuhr sogar noch einmal etwas drosseln können. Aber ansonsten lief alles super stabil durch. Der Gasverbrauch war sehr moderat. Ich würde schätzen, dass ich 1/3 Gasflasche (also ca. 1,5-2 KG) verbraucht habe.

Das große Finale

Nach knapp 18 Stunden war es dann soweit. Die Kerntemperatur von 92°C im Schweinenacken war erreicht und ich habe das Fleisch vom Grill genommen. In mehrere Lagen Alufolie verpackt, habe ich den Nacken in die mit PET-Falschen vorgeheizte Kühlbox gepackt. Dort sollte sich das Fleisch für mindestens 60 Minuten entspannen, bevor es gepulled wird. Nach der Ruhephase geht es dann an das pullen. Der Nacken kommt zurück in die Auflaufform und mit zwei Gabeln habe ich das Fleisch gepulled.

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Das perfekte Pulled Pork?

Der Duft und die Optik sind schon mal grandios. Das Versuch scheint mir geglückt, auch wenn die Räucherpäcken ihren Dienst verweigert haben. Und glaubt mir, auch der Geschmack ist richtig genial. Das Fleisch ist richtig zart und sehr saftig geblieben – so wie gehofft. Die Kruste hat vom Rub einen tollen Geschmack angenommen und ist nicht zu fest geworden, so dass man sie super essen kann. Insgesamt bin ich richtig Zufrieden.

Ist es nun das perfekte Pulled Pork? Ich glaube ein perfektes Rezept kann es nicht geben, dafür sind Geschmäcker viel zu individuell. Mir (und alle die es ebenfalls gegessen haben) hat es super geschmeckt. Ich hätte mir aber auch etwas Rauchgeschmack gewünscht. Das mit dem Räuchern hat nicht geklappt. Die Räucherpäckchen haben am Anfang ein paar Minuten gequalmt, aber vermutlich war nur das Wasser verdampft. Die Holzchips haben sich, obwohl das Paket direkt auf dem Brenner bzw. den Flavour-Bars lag, von der niedrigen Temperatur gänzlich unbeeindruckt gezeigt. Das war etwas schade. Ich hätte doch die Variante mit ein paar Holkohlebriketts und Holzchips in einer Feuerfesten Form nehmen sollen, so wie ich es bei meinem Cherry Bomb Roastbeef gemacht habe (ist im Video schön zu sehen).

Ich würde sagen, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln und für einen ersten Versucht, gibt es nichts zu meckern.

Pulled Pork Streetfood / Fingerfood

Zu dem Pulled Pork habe ich noch einen Cole Slaw gemacht und von meinem Freund Eric hatte ich noch ein leckeres Walnussbaguette da. Daraus habe ich mir dann kleine Fingerfood-Häppchen (oder auch im Hipster-Food-Neudeutsch: Streetfood) gemacht. Eine dünne Scheibe Walnussbaguette mit etwas Feigensauce bestrichen, das Ganze mit etwas Cole Slaw und Pulled Pork bedeckt und noch mit einen Klecks BBQ-Sauce getoppt. Sensationell lecker, mein Pulled Pork Streetfood Baguette!

Ich hoffe mein Rezept bzw. mein Erfahrungsbericht gefällt Euch. Wenn ja, dann lasst mir doch einen Kommentar da. Oder besucht und liked doch mal meine Facebook-Seite und meinen Instagram Account. Auch wenn der letzte Blogeintrag schon eine Weile zurück liegt, geht es mit Nachg’schmeckt weiter. Das wird nicht das letzte Rezept gewesen sein.

 

 

 

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2 Comments

  1. Servus! Den Versuch habe ich auch schon hinter mir – auch nach dem Rezept der Sizzle Brothers. Das Problem mit dem Rauch hatte ich ebenfalls. Ich hatte die Räucherbox von Axtschlag mit Hickory-Mehl befüllt – hat nicht gezündet. Dann habe ich mir Alupäckchen mit Woodchips gebastelt – ebenfalls Fehlanzeige. Die Temperatur von unten reicht einfach nicht aus, um das Holz zum Glimmen zu bringen. Lecker war´s trotzdem und hat auch nur rund 10 Stunden gedauert. Das Stück Nacken hatte aber nur 1,8 kg.

    • Hallo Frank,

      ja das mit dem Räuchern ist leider etwas schade. Aber ich habe mir nun einen Watersmoker zugelegt. Das nächste Pulled Pork werde ich dort machen. Dann klappt es auch mit dem Rauchgeschmack.

      Gruß
      Arne

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