Rindfleisch direkt vom Erzeuger

Woher kommt eigentlich mein Steak? Interview mit RYND.de

In meinem letzten Beitrag habe ich euch Gutes Gemüse und das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft vorgestellt. Woher mein Gemüse kommt, weiß ich nun also. Genauso kann ich mir sicher sein, dass es ein faires Geschäft für den Landwirt ist. Diese Fragen stelle ich mir aber auch oft beim Fleisch. Woher kommt mein Fleisch? Unter welchen Bedingugen wurde das Tier gehalten? Je nachdem wo man sein Fleisch kauft bekommt man unterschiedliche Auskunft über Herkunft und Haltung der Tiere. Ein guter Metzger wird hier für etwas Transparenz sorgen. Im Supermarkt oder beim Discounter kann ich nicht mehr als Werbefloskeln erwarten. Wer sich etwas mit dem Thema beschäftigt wird schnell feststellen, dass es für mich als Konsumenten nicht einfach bis unmöglich ist, verlässliche Informationen zu bekommen.

Vor ein paar Tagen bin ich auf RYND.de aufmerksam geworden. Es handelt sich dabei um eine Idee für eine Plattform, die relativ ähnlich wie Gutes Gemüse funktioniert. Ich kaufe mir einen Anteil an einem Rind, direkt beim Erzeuger und schon lange vor der Schlachtung. Im Gegenzug erhalte ich Informationen zu „meinem“ Rind und nach der Schlachtung auch meinen Anteil am Fleisch. RYND steht gerade noch in den Startlöchern. Ich finde die Idee interessant und habe daher mit dem Initiator Holger Könemann darüber gesprochen.

Heute gibt es mal kein Rezept, sondern ein Interview mit Holder von RYND.de.

Viel spaß damit. Ihr dürft mir sehr gerne euer Feedback (via Kommentar, Twitter, Facebook, E-Mail, …) da lassen, wie euch meine Artikel so gefallen. Was findet ihr gut? Und was nicht so gut?

Arne

 

Meine 11 Fragen an Holger von RYND.de

Was ist RYND und wie funktioniert das Ganze?

RYND ist, ganz schnöde ausgedrückt, ein Online Marktplatz für Rindfleisch. Die Idee dahinter ist aber weitergehender: RYND soll Erzeuger, meist Klein und Kleinstbauern, mit den Konsumenten direkt zusammenbringen. Und das gerne schon bevor aus einem Rind überhaupt ein Steak wird. Man kauft nicht einfach “3kg Hack”, sondern ein Schlachtanteil an einem ganz bestimmten Rind das noch auf der Weide steht. Wenn man früh dran ist kann das auch schon einmal ein Jahr vor der Schlachtung sein. Es geht aber noch weiter: Man wird über den Lebensweg des Tieres auf dem laufenden gehalten. Wie sieht es aus, wie heißt es? Auf welcher Weide bei welchem Bauern steht es? Im besten Fall bildet sich schon lange vor der Schlachtung eine Community um das Tier, in
der sich untereinander, aber auch mit dem Landwirt ausgetauscht wird. Am Ende erhält jeder “Anteilseigner” seinen Anteil “ausgezahlt”. In Form einer Kühlbox mit verschiedenen Stücken des Rindes, direkt an die Haustür geliefert.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Wie sollte es anders sein, beim Essen natürlich.

Wer kennt nicht die Diskussion über das “ethisch korrekte” Fleisch essen? Die einen zelebrieren es ohne weitere Fragen zu stellen, andere lehnen es komplett ab. Der größte Teil aber isst Fleisch, hat aber gleichzeitig irgendwie ein schlechtes Gewissen dabei. Den meisten Menschen dämmert es nämlich das sie Verantwortung für ihren Konsum übernehmen sollten. Grundlage dafür wäre es aber zu wissen wofür man denn Verantwortung übernehmen soll. Gerade beim Fleisch essen wird uns das aber richtig schwer gemacht. Du kannst es gerne selber mal ausprobieren: Versuch einmal ein Stück Fleisch zu kaufen und dabei herauszufinden wie das Tier hieß, wie es aussah und wo es genau gelebt hat. Egal ob Discounter, Supermarkt, Schlachter oder uriger Bio Hofladen: Die Information wirst du nicht bekommen.

Und das ausgerechnet im heutigen Informationszeitalter. Das war der Initiale Gedankengang hinter der Idee. Darüber hinaus geht es aber nicht nur um ethisch/moralische Aspekte. Es schmeckt einfach besser je mehr ich über die Zutaten weiß die ich verwende. Jeder der gerne kocht kennt diesen Effekt. Und das trifft natürlich auch und gerade auf Fleisch zu.

Wie sieht so ein Anteil an einem Weiderind aus?

Keine Sorge, es kommt nicht einfach ein halbes Rind zu dir nach hause. Nach der Schlachtung des Tieres und Reifung des Fleisches bekommst du eine spezielle Kühlbox direkt an die Haustür geliefert. Diese enthält küchenfertig verpacktes Fleisch von “deinem” Tier. Hierbei wird es sich sowohl um hochwertige Teile wie Filet, Hochrippe, Tafelspitz etc., als auch um einfachere Teile wie Rippchen, Mett oder Beinscheibe handeln. Die Schlachtausbeute wird also fair auf alle Anteilseigner aufgeteilt.

Grundsätzlich wird jeder Anteil so zwischen 3,5kg und 5kg wiegen. Das hängt stark von der Rinderrasse und dem Alter des Tieres ab. Wer mehr möchte kann natürlich auch gleich mehr als nur ein Anteil bestellen.

Ich hätte gerne nur das Filet, geht das?

Leider nein. Das Ganze basiert gerade auf dem Gedanken das alle gleichberechtigt einen Anteil an einem ganzen Rind erwerben. Es wird aber definitiv die Option geben eher “spezielle” Teile ein bzw. auszuschließen. Rinderzunge und Ochsenschwanz ist nichts für jedermann. Als Hundebesitzer ist man aber bestimmt an dem ein oder anderen Knochen interessiert, usw.

Wie kommt mein Anteil zu mir?

Natürlich wird alles gekühlt innerhalb kürzester Zeit direkt zu dir geliefert. Generell möchte ich den Landwirten ein fertiges Verpackungsund Logistikkonzept anbieten. Schließlich soll da nicht jeder selber rumprobieren müsse. Damit beschäftige ich mich gerade hauptsächlich.

Ich bekomme am Wochenende Gäste. Kann ich auch kurzfristig Fleisch bestellen?

Du musst nicht zwangsweise einen Anteil VOR der Schlachtung kaufen. Wenn du also Glück hast und noch nicht alle Anteile verkauft wurden kannst du auch kurzfristig bestellen.

Warum sollten Landwirte ihr Fleisch über RYND.de verkaufen?

Landwirte in der Rinderzucht haben es heute nicht besonders einfach: Entweder sie verkaufen das Fleisch in den Großhandel. Die Gewinnmargen sind hier aber sehr gering, der Kostendruck hoch. Das lohnt sich nur wenn man seinen Betrieb “durchindustrialisiert” und immer mehr Tiere auf immer weniger Raum hält. Das ist ein Weg der weder für den Landwirt noch für die Tiere gut ist.

Die andere Möglichkeit ist die Direktvermarktung, z.B. über einen eigenen Hofladen. Hier ist die Gewinnmarge zwar wesentlich fairer, die Nachfrage ist aber regional stark begrenzt. Und
wer sein Hof nicht in direkter Nähe zu einem Ballungszentrum hat, kann diesen Weg meist komplett vergessen. RYND kombiniert die Vorteile beider Wege: Weniger Stress und Druck für Landwirt und Tier, bei gleichzeitig größerer Reichweite des eigenen Angebotes.

Woher beziehst du dein Fleisch normalerweise?

Am liebsten von Wiesen und aus Wäldern. Tatsächlich verfolge ich aber keine spezielle Ideologie, die mir nur das eine erlaubt und das andere verbietet. Eine Currywurst an der Bude ist auch mal okay. Es schmeckt mir einfach nur besser wenn ich mehr über das Fleisch weiß. Früher hat es mich fast verrückt gemacht das es dafür keine Möglichkeit gibt. Irgendwann hat es mir gereicht und ich habe einen Jagdschein gemacht. Zu der Zeit habe ich noch als freiberuflicher Webentwickler in Hamburg gearbeitet. Also in der “tiefsten HipsterRegion”. Meine Entscheidung hat da natürlich für zum Teil heftige und kontroverse Diskussionen gesorgt. Ich glaube aber das ich fast jedem klar machen konnte das ich nicht plötzlich “Spaß am töten” von Tieren hatte, sondern das es tatsächlich eine traurige Angelegenheit ist. Für mich gehört es aber untrennbar zum Fleisch essen dazu. Es war die einzige Möglichkeit diese beide, eigentlich seit Urzeiten zusammengehörenden Aspekte, wieder in Einklang zu bringen.

Es hatte dann noch den positiven Effekt das ich weniger aber bewusster Fleisch esse. Der Schritt ist extrem und sicherlich nicht für jeden etwas. Die Erfahrung hat aber zu der Grundidee von RYND geführt.

Was ist für dich gutes Fleisch?

Es muss nicht von weit weg kommen oder von einer besonders exotischen Rinderrasse stammen. Auch Biound Ökosiegel haben für mich eine eher geringere Bedeutung bei der Beurteilung.
Gutes Fleisch ist für mich ehrliches Fleisch. Und ehrlich ist es wenn ich einen Bezug dazu habe. Und je größer der Bezug ist, desto besser ist das Fleisch für mich.

Wann geht es los?

Von dem ersten Landwirt habe ich bereits eine feste Zusage. Dieser wird im Frühjahr 2016 die ersten Kälber und Rinder für RYND auf die Weide stellen. Im April werde ich den Hof besuchen und voraussichtlich ab Mai kann man dann die ersten Anteile auf rynd.de kaufen.

Ich will mit machen, was muss ich dafür tun?

Am besten ist es wenn du dich auf rynd.de in den Newsletter / Verteiler einträgst. Oder du folgst mir bei Twitter (@rynd_de) oder Facebook (facebook.com/ryndde). Sobald es Neuigkeiten gibt wirst du es darüber erfahren. Darüber hinaus kannst du über diese Kanäle natürlich auch Feeback hinterlassen oder Fragen stellen.

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